Biographie

Im Jahr 1960 wohnte Eric Dolphy in New York und nahm, wenn der Job bei Mingus es zuließ, weiterhin an jeder interessanten Session teil, zu der er eingeladen wurde. So gastierte er beispielsweise mit Ornette Coleman im Greenwich Village und gab, völlig freie Simultanimprovisationen zum Besten. Am 15. August fand Erics erste Aufnahmesession als Leader statt. Ort des Geschehens war das legendäre Studio des Toningenieurs Rudy Van Gelder, in Hackensack/New Jersey. Die Besetzung bestand aus dem Drummer Roy Haynes, dem Bassisten George Duviver und dem Bassisten Ron Carter, der hier Cello spielte.

Eric spielte Altsaxophon, Clarinette, Bass-Clarinette und Flöte. Out There, so der Name der Titelkomposition, wies tatsächlich in den Weg in eine neue Richtung. Diese Musik wies zwar eindeutige Jazz-Bezüge auf, war aber trotzdem teils völlig neuartig und wesentlich abstrakter als alles, was bisher unter dem Label Jazz dargebotene. Der Solist Eric Dolphy sich hatte in der Szene schon einen Namen gemacht, hier stellte sich der Komponist vor.

Neben seinen eigenen Sessions, den Aufnahmen mit Mingus und Sammy Davis Jr., spielte Eric im Jahr 1960 noch mit Oliver Nelson "Screaming The Blues" ein, beteiligte sich an Aufnahmen von John Lewis, Abbey Lincoln, Günther Schuller, Eddie "Lockjaw" Davis, Ken McIntyre und war selbstverständlich an Ornett Colemans bahnbrechenden Werk "Free Jazz" beteiligt.

Anfang 1961 war Eric " The most talked about person" innerhalb der Jazzszene. Downbeat "featurte" ihn als neuen Shootignstar und Eric lieferte weiterhin, ohne Ende, Meilensteine der Jazzgeschichte ab, bzw. war maßgeblich an ihrer Entstehung beteiligt.

Auch 1961 ließ sein Tatendrang nicht nach. Er gab sich voll und ganz der Musik hin. Neben weiteren Aufnahmen und Konzerten mit Booker Little, Ted Curson, Oliver Nelson, dem George Russel Sextett, Abbey Lincoln, Max Roach und Ron Carter, arbeitete er erstmalig mit John Coltrane zusammen. John wollte Eric aber nicht nur als Solisten, sondern lies ihn sogar die Arrangements für das Orchesterwerk "Africa Brass" schreiben. Die Aufnahmen zu diesem Top-Hit wurden am 23. Mai 1961 fertiggestellt, was Trane und Dolphy jedoch nicht daran hinderte nur zwei Tage später das nächste Meisterwek mit dem Titel "Ole" folgen zu lassen.

Von August bis September 1961 war Eric ohne eigene Band in Europa unterwegs und trat dort mit skandinavischen Musiker auf. Eric konnte jederzeit, mit so ziemlich jedermann spielen und sich auf jedem musikalischen Terrain bewegen. Er hatte mittlerweile eine derart grenzenlose Virtuosität erreicht, dass er sein Publikum auch völlig solo begeistern konnte.

Zehnminütige oder gar längere Solodarbietungen auf der Flöte oder der Bassklarinette waren keine Seltenheit. Seine Plattenfirma Prestige dokumentierte diese Tournee durch diverse Livemitschnitte. Erics Leistungen blieben in diesem Jahr auch nicht ohne offizielle Auszeichnungen. Im New Star-Poll des Downbeat Magazins siegte er in den Kategorien Altsaxophon, Flöte und Bass-Klarinette.